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#02 | Performance art Seminar

5 tägiges Performance Seminar / mit Studenten der Akademie für Bildende Künste / Mainz, germany / 2008



Körperliche Aha-Erlebnisse (text BBB Johannes Deimling)

Auf Einladung von Frau Prof. Knoche-Wendel und Ines Dunemann habe ich vom 7.-12. April 2008 das Performance - Seminar in der Akademie für Bildende Künste in Mainz geleitet. 14 Studenten aus den Fachbereichen Kunstpädagogik und Freie Kunst nahmen an dem Performance Seminar teil.

Das Seminar konnte günstigerweise in der Aula stattfinden, ein grosser, heller White Cube mit einer sehr weitläufigen Fensterfront. In diesem Raum wurde hauptsächlich gearbeitet und hier fand auch die Abschlusspräsentation statt. Für einige Übungen und Tests wurde auch der öffentliche Stadtraum genutzt. Die hervorragende Situation mit der akademieeigenen Küche wurde immer wieder gerne zum gemeinsamen Essen genutzt. Solche komfortablen Möglichkeiten kann wirklich nicht jede Akademie bieten.

Um eine künstlerische Performance zu erarbeiten, ist es von bedeutsamer Notwendigkeit sich den anfallenden Arbeitsprozessen offen, konsequent und ehrlich zu stellen, auch wenn das Ziel eines solchen Werdegangs oft nicht gleich deutlich zu erfassen ist. Es hängt sehr viel von der Bereitschaft der Teilnehmer selbst ab, inwieweit sie sich den künstlerischen Wegen öffnen wollen oder auch können. Praktische und theoretische Hilfestellungen erleichtern hier gewisse Hürden und Hindernisse, um sich den Prozessen besser stellen zu können und diese leichter zuüberwinden. Das Phantastische bei solchen Werdegängen ist, dass die in den Übungen gemachten Erfahrungen direkt, spürbar und erfahrbar werden. Das heisst, es stellen sich durch das konsequente Arbeiten an den jeweiligen Bereichen immer wieder körperliche Aha-Erlebnisse ein. Das Denken verhindert oft den freien Zugang zu performativen Prozessen. Es ist daher wichtig, den Körper selbst denken und sprechen zu lassen. Diese Prozesse verlangen ein hohes Mass an Aufmerksamkeit und sie unterscheiden sich von malerischen oder bildhauerischen Prozessen, da nicht ein Objekt oder Produkt zur Diskussion stehen, sondern der ausführende, faktisch handelnde Mensch. Die Auseinandersetzung mit sich selbst, ohne dabei therapeutisch oder selbstdarstellerisch zu wirken, ist ein Schlüssel zum Verständis von performativer Kunst. Die wichtigen Momente sind die des Scheiternsheitert und in diesen Arbeitsprozessen ist dies oft der Fall. Gespräche ermöglichen Erlebtes auch interlektuell zu verstehen. Am Seminarende, ein Phase, welche eigentlich nur eine Zwischenstation darstellt, steht eine künstlerische Handlung, von der zu Beginn gedacht hätte, das diese möglich sein könnte.

Von Beginn an wurde auf einem hohen praktischen und theoretischen Niveau zusammengearbeitet, ohne aber den Spass und die Freude an der Sache zu vernachlässigen. Auch in schwierigen Situationen gab es von den Teilnehmern den erforderlichen Ruck und eigenen Druck sich wieder und wieder den Prozessen stellen zu wollen. Gerade der prägende Umgang miteinander und die Auseinandersetzung mit dem eigens erarbeiteten Thema sind in schwierigen Arbeitsphasen sehr spannend. Jeder strebt nach der Erfahrung von etwas Neuem. So gelangten wir immer wieder zu interessanten Diskussionen, die immer wieder kritisch hinterfragt und reflektiert wurden.

Mehrfach sind Begriffe aufgetaucht, wie z.B. Reduktion und Abstraktion. Schon bei den ersten praktischen Versuchen konnte man die Wichtigkeit dieser beider Begriffe deutlich erkennen. So wurden Mimik und weiteres erzählerisches Gebärden stets reduziert, um dem ausführenden menschlichen Körper eine neutrale, figurenhafte Erscheinung zu verleihen. Alles, was vom Inhalt ablenken könnte, sollte weggelassen werden, damit der Focus auf die Aussage des künstlerischen Aktes gelegt wird. Die Kunstform Performance wird hier als Kommunikationsmittel eingesetzt, die Sprache des Körpers und der Handlung verschmelzen zu einem Sprachrohr eigener Themen. Die persönlich gefundenen Themen und Ideen der Teilnehmer wurden auf wesentliche Aspekte reduziert und abstrahiert. Das Resultat dieser Prozesse waren präzise, klare Bilder, die ohne viel und aufwendiges Material ausgekommen sind und so den Focus auf die eigentliche Aussage, die künstlerische Aktion gerichtet haben. Der Begriff "Performance Art Povera" (Deimling 1998) kann für alle gezeigten Abschluss-Performances angewendet werden. Dies spürte das anwesende und aufmerksame Publikum und dankte es den jungen Performern mit einem langen Schlussapplaus.


Photos: Ines Dunemann



performances

Hanna Hechler
Denise Bachfischer & Maxi Weimann
Michael Roggon
Christoph Medicus
Sandra Trösch
Lidwina Jäger
Simon Metzger
Philine Küssner & Sandra Trösch
Simon Ertel
Sabrina Geckeis & Michael Roggon
Philine Küssner
Sarah Mock
Marie-Christine Hamm