‹ go back






damensitz
Katharina Kieselbach / 90 Minuten
 
Handlungsbeschreibung: Ich bin entkleidet und sitze rittlings auf einem roten Metallstuhl, der in der Mitte des Raumes auf einer unebene Metallplatte steht. Ca. 4 Meter über mir hängt eine Taschenlampe, die einen milchigen Lichtkegel auf den Boden wirft und mich erhellt. Ich drücke mich mit den Füßen vorsichtig vom Boden ab und versuche auf den zwei Stuhlbeinen zu balancieren, die einen die sich unter dem vorderen Teil des Stuhls befinden. Es funktioniert nicht, daher probiere ich es noch mal und nochmal. Diese Handlung wiederhole ich während meiner ganzen Performance. Egal ob ich ganz vom Stuhl falle, oder nur aus dem Gleichgewicht gerate. Wenn der Stuhl wieder zurück auf dem Boden auftrifft, ertönt ein grollendes, schepperndes Geräusch, da sich die Metallplatte unter dem Stuhl verbiegt. Noch befinden sich keine Betrachter im Raum. Nach kurzer Zeit betreten die Zuschauer die Brauerei und nehmen zunächst nur das Geräusch wahr. Sie gehen dann einen dunklen Gang entlang, an dessen Ende sich der Raum befindet, in dem ich balanciere. Durch die spärliche Beleuchtung sehen sie zunächst nichts, oder nur kaum etwas. Die Augen müssen sich erst an das Licht gewöhnen. Je dichter sie kommen um so deutlicher wird das sich ihnen darstellende Bild. Sie bleiben mit etwas Abstand stehen und sehen mir bei meiner Handlung zu. Nach einiger Zeit verlassen sie den Raum wieder. Ich bleibe allein zurück und mache so lange weiter, bis für mich der Punkt erreicht ist, an dem ich aufhören kann. Ich gehe nicht bis zur völligen Erschöpfung, sondern höre da auf, wenn die Handlung ihren Sinn verliert und keine weitere Verbesserung, sondern eher einer Verschlechterung zu erkennen ist.
Hintergrund: Während der unterschiedlichen kleineren Übungen und Performances habe ich gemerkt, dass mich das Thema Balance sehr interessiert. Wie halte ich Balance, was passiert mit meinem Körper während ich versuche Balance zu halten und wie verändert sich mein Körpergefühl wenn ich eine Übung immer und immer wiederhole. Wie gehe ich damit um, wenn ich scheitere und wie ist das Gefühl wenn ich es doch schaffen sollte. Ist es überhaupt möglich und inwiefern ist es sinnvoll eine Handlung immer und immer wieder zu wiederholen, wie in einer Endlosschleife. Ab wann ist der Punkt erreicht etwas endgültig, oder vorläufig aufzugeben? Was passiert mit mir, woran denke ich und wie konzentriere ich mich? All diese Frage kamen aus und wollten beantwortet werden.