‹ go back
Verselbständigt
Katharina Egerer / 45 Minuten
Handlungsbeschreibung: Ich stehe im Türrahmen des Wohnhauses, rechts von mir befindet sich mein Nachttisch. Ich trete aus der Tür heraus und gehe zum Nachttisch, öffne die Tür dessen und hole die schmutzige Wäsche der gesamten vergangenen Woche heraus. Ich beginne mich anzukleiden, ziehe jedes Kleidungsstück Schicht für Schicht einzeln an bis keines mehr übrig ist. Ich gehe zum gegenüberliegenden See, steige die Stufen zu ihm hinab und falle ins Wasser. Ich schwimme und tauche nach einer Reisetasche, hole sie an die Wasseroberfläche und lege sie auf die Mauer am Ufer. Ich steige mit den wassergetränken Kleidungsstücken ebenso über die Mauer heraus, verweile aufgrund der Anstrengung durch die Schwere der Sachen einen Augenblick. Ich beginne meine Bekleidung nacheinander auszuziehen, wringe jedes Teil über einem bereitstehenden Einweckglas aus. Die Gläser verschließe ich anschließend, das ausgezogene Kleidungsstück lege ich jeweils ordentlich zusammen und neben die Reisetasche. Ich habe alle zuvor angezogenen Kleidungsstücke abgelegt; packe anschließend alle Gläser in die Reisetasche und verschließe diese. Ich nehme sie, gehe zum Auto und fahre aus dem Hoftor in Richtung Dresden. Der zusammengelegte Kleiderstapel bleibt zurück.
Hintergrund: Momentan verändert sich viel in meinem Leben; der Unterschied zu sonst: ich agiere selbst, selbstbewusst sozusagen. Veränderungen empfinde ich dabei als einen dialektischen Prozess, man nimmt etwas Neues in sein Leben auf und lässt gleichzeitig etwas zurück. Das Zurückgelassene hat seinen Wert als dieses, mit dem neuen muss etwas geschehen. Letzteres ist noch offen. Was mache ich mit Gläsern gefüllt mit Wasser aus dem Teich? Ich weiß es noch nicht, Tee kochen vielleicht.


