‹ go back






Chocolate Dreams
Carolin Müller / 40 Minuten

Handlungsbeschreibung: Meine Arbeit fand im Obergeschoss des Gästehauses in einer kleinen weißen Seitennische statt. Diese hatte ich mit einem quadratischen Holztisch, welcher mit einem weißen Überwurf bedeckt war, einem weißen Holzstuhl, einem Wasserkocher und mit einem weißen Eimer eingerichtet. Der Tisch war einladend gedeckt. Auf ihm befanden sich 6 Karaffen Wasser, ein Stapel mit 20 weißen Tellern, ein silberner Löffel, ein Metalltopf, eine silberne Kelle, ein Glas und ein Stapel mit 8 Tafeln Vollmilchschokolade. Ich selbst trug helle Kleidung.
Meine Performance begann damit, dass ich am rechten Rand der Nische auf das Publikum wartete. Sobald alle eingetroffen waren und eine Grundruhe herrschte, begann ich mit meiner Arbeit. Ich ging zum Tisch und setzte mich. Kurz darauf begann ich, die Schokolade mithilfe des heißen Wassers im Topf zum Schmelzen zu bringen. Für den „ersten Gang“ hatte ich mir dies bereits vorbereitet. Ich nahm mir nun einen Teller und stellte ihn vor mich auf den Tisch. Nun nahm ich die Kelle und schöpfte die flüssige Schokolade auf den Teller. Als der Teller voll war, begann ich ihn mit dem Löffel zu leeren. Die Schokolade verklebte meinen Gaumen und es fiel mir sehr schwer sie herunter zu schlucken. Ich hielt stets Blickkontakt mit dem Publikum, um mir so Ansporn für die Aktion zu holen.
Kaum war der Teller geleert, legte ich ihn beiseite und nahm mir einen Neuen. Diesen füllte ich ebenso mit flüssiger Schokolade und aß ihn leer. Dabei fiel es mir mit jedem folgenden Teller immer schwerer diesen zu leeren. Zudem vermischte sich dabei ab einem gewissen Punkt das heiße Wasser mit der flüssigen Schokolade. Dass dies dem Publikum zuwider war, konnte ich an ihren Blicken erkennen.
Damit es mir möglich war den Vorgang fortzuführen, nahm ich ab und zu etwas Wasser zu mir und goss kochendes Wasser in den Topf, um die Schokolade in einen flüssigen Zustand zu bringen.
Vor meiner Performance hatte ich mich ausgiebig mit den Eventualitäten beschäftigt und hatte mich entschlossen, dass ich falls ich mich übergeben müsste, mich dazu entschließe weiterzumachen. Dazu hatte ich mir den Eimer beiseite gestellt.
Ich hatte 8 Tafeln vor mir, welche ich aufessen wollte. Diese 8 Tafeln haben insgesamt 800g gewogen. Das sind 4248 kcal bzw. 448 Kohlenhydrate. Persönlich mag ich keine Vollmilchschokolade, wollte dennoch testen, wie weit ich gehen kann und ob ich meinen Ekel überwinden, ja gar ausreizen könnte, bis es nicht mehr ging.
Insgesamt habe ich 6 Tafeln Schokolade geschafft und 12 Teller benutzt. Dabei kam mir vor allem zum Ende hin sehr oft der Brechreiz hinzu, bis es schließlich im Übergeben endete. Dies war der Punkt an dem ich das Publikum immer verschwommener wahrgenommen habe. Mein Handeln veränderte sich zu einem Mechanismus. Mein Körper wirkte wie eine Maschine und mein Kopf war im Stand-by. Meine Blicke krallten sich nun am Publikum fest, wobei diese mir unterschiedliche Signale gaben. Viele schüttelten den Kopf, doch nur eine bewog mich mit ihrem klaren Blick zum weitermachen. Dennoch gelangte ich irgendwann an einen Punkt, an dem ich merkte, dass ich mein Ziel erreicht hatte und dass auch das Publikum an einem Punkt angelangt war, an dem ich es nicht weiter mit meinem Experiment treiben konnte. Mein Halt brach und ließ mich von der Situation treiben. Ich legte den Löffel nieder, stapelte den letzten Teller auf den Stapel mit den Benutzten, stand auf und ging auf meine Ausgangsposition zurück. Die Performance war beendet.